capsul                


space         zimmer frei     hotel mariandl       2000


In einem Zimmer des Münchner Hotels Mariandl wurden 9 Schlafkapseln
installiert.
Sie sind einer typisch japanischen Einrichtung nach-
empfunden - den sogenannten
CAPSULE-Hotels in Japan.
Zwei diametral entgegengesetzte Hotelkonzepte treffen aufeinander:
Der in der westlichen
Hemisphäre verbreitete Schlaf- und Aufenthalts-
raum, dessen Nutzung von einem oder
zwei Individuen erfolgt, bietet
jetzt einer ganzen Gruppe (von maximal neun Menschen,
die sich in
der Regel nicht kennen) Unterkunft.

Die kulturellen Prägungen - hier das asiatische „Gruppen-ICH",
dort das westliche
„Individual-ICH“ und das damit einhergehende Bedürfnis, sich gerade im Intimbereich des Schlafens individuell,in
Ruhe und mit dem Anspruch auf eine räumliche Mindest-
Ausdehnung
zurückzuziehen - verdichten sich.

Die sich prinzipiell unterscheidenden Schlaf - Räume zu vereinigen,
ist reizvoll:
So treten ihre Eigenarten verstärkt in den Mittelpunkt. Noch erscheint uns die Nutzung
solcher Einrichtungen schwer vorstellbar
und sehr ungewöhnlich.In Tokyo jedoch, wo extreme Mietpreise die Menschen in die Vorstädte treiben und damit weit weg von ihrer Arbeitstelle,
gehören rund 100 CAPSULE -Hotels zum Alltag. Hier übernachten täglich
tausende Männer - CAPSULES für Frauen gibt es noch nicht - die sich das
teure Auto- oder Taxifahren zu später Stunde in die Vororte Tokyos nicht
leisten können.
Diese Installation  "space" war im Rahmen des Projektes zimmer frei zu sehen.
Das Kulturreferat hatte 14 Künstler verschiedenster Kulturkreise geladen,
den gängigen Hotelalltag zu durchbrechen. Sie verändern Raum und Bedeutung
der Hotelzimmer und verwandeln das Mariandl anlässlich der langen Nacht der
Museen für vier Tage in einen Ausstellungsort.


     
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